A N N E   &   P A T R I C K   P O I R I E R                                                                                                                                            I N T E R V I E W

Anne und Patrick Poirier : Ruinen als Utopie und Selbsterforschung

 

Die Konstruktion von Bildern, in Form von architektonischen Modellen und archäologischen Fundstücken, Skulpturen und Photo-Text-Arbeiten, steht im Zentrum des Werks von Anne und Patrick Poirier. Das Bestreben der Künstler liegt in der Bewusstseinserweiterung durch das kulturhistorische Wissen. Vergangene Kulturen wirken als Vehikel für Selbsterkenntnis. Durch Imitation entstehen Erinnerungsfragmente und Denkmodelle in Form von Konstruktionen, Installationen, Objekten, Photos und Texten. 

Wie das Wort "architectura", verweisen die Arbeiten von Anne und Patrick Poirier auf eine grundlegende Vorgehensweise in der Erkundung von Kulturen, Kunst und Handwerk ("téchne") als Ursprung des Bewusstseins. Sprache und Wort gekoppelt mit der zeitlichen Referenz "alt" im Sinne von vergangen, spiegeln sich im Begriff der "archaio-logía" wieder. Die Zeit formt Städte und Kulturen, sie sind Spiegel menschlichen Bewusstseins und Handlungen, die die Zukunft bestimmen. Die Brücke ist geschlagen. Die Arbeiten von Anne und Patrick Poirier verweisen, auf einer chronologischen Skala dargestellt, in beide Richtungen: in die Vergangenheit und in die Zukunft. So wie das gesehene Bild in der Gegenwart und das photographische Abbild in der Vergangenheit zu suchen ist: Selbsterkenntnis und Bewusstseinserweiterung als Grundlage eines Ideals, als Bestrebung unseres Daseins und Lehrens. Ruinen und Fragmente können als Gedächtnis einer "parallelen Archäologie" verstanden werden, parallel zu unserem "bewusst sein" und unserer Seele als Ort der Erinnerung. Anne und Patrick Poirier schaffen Orte für zukünftige und vergangene Projektionsmomente der Erinnerung für den Einzelnen und Inkarnation für alle Menschen. Loci Anima, der Geist des Ortes oder in den Worten von Anne Poirier - le génie du lieu - ist die Grundlage für die in-situ Projekte der Künstler. Der Geist des Ortes ist Inspiration und Divination für die Künstler, Abbild des Bewusstseins (architectura), des Gedächtnisses (architectura und archaiología), das in die Zukunft weist. Das verschüttete Gedächtnis des Unbewussten ist in der Metapher der Archäologie zu suchen, während das bewusste Gedächtnis eher in der ratio des Architekten zu erkennen ist.

Das menschliche Gehirn als archäologische und architektonische Konstruktion zeigt Bewusstseinskammern und mythische Labyrinthe. "Mnemosyne, das Archiv der Archäologen", die Erinnerung, ist zentrales Thema der Ruinen und Fragmente. Neben dem Konzept der Mnemosyne haben Intuition und Divination sogar noch einen höheren Stellenwert als die Erinnerung. 

Die Texte zu den Mnemosyne-Installationen sind betitelt wie zum Beispiel: "Raum der Fragmente der Erinnerung", "Raum der vergessenen Namen", "Raum der atemberaubenden Literatur", "Raum der tönenden Illusion", "Raum der falschen Perspektiven", "Raum der Einsamkeit", "Raum der Irrwege", "Raum der Eitelkeit", "Raum der unvollendeten Werke", "Raum der Blicke der Statuen".

Die "Räume der Erinnerung" oder "Salles de la Mémoire" beziehen sich vorwiegend auf das innere Geistesleben und zeigen, wie der Mensch mit Erinnerung umgeht, mit Sehnsucht, Ohnmacht, Träumen und Wünschen. Der physische und der psychische Raum sind miteinander verwoben. Das Gehirn als Welt-und Gestirnkartographie, als Stadtruine, Metapher des Seins: im Norden Chronos (Zeit), im Süden Chaos (unbestimmbarer Ort), im Westen, Eros (Liebe und Kreativität) und im Osten Thanatos (Tod). Die Zeit, der Ort, Eros und Tod determinieren die vier Himmelsrichtungen und spiegeln die Essenz des Konzepts von Anne und Patrick Poirier wieder. 

Wir gehen als Betrachter durch imaginäre Stadtruinen, die mit der Arbeit einer Psychoanalyse vergleichbar sein könnte. In der Literatur lässt sich dieser Aspekt in Ulysses von James Joyce mit dem Protagonisten Stephen Dedalus erkennen, der den Leser durch Dublin als einer Metapher für die Kartographie des Geistes führt. Das Seelenleben des Betrachters, des Künstlers, des Autors lebt in Räumen von Ideen auf. Deren Taxinomie ordnet die Kunst von Anne und Patrick Poirier in eine "fiktive Wissenschaft" ein, die vielleicht, wie die Fiktion auch, wahrer über Wahrheit spricht als reale Gegebenheiten es tun können. Gedanken-Räume und Ruinen stehen für Ideen. Inszenierte Konstruktionen der Vergangenheit sind Fundament unseres Bewusstseins und Auslöser zukunftgerichteter Ideen und Wünsche. Wer keine Vergangenheit besitzt, etwa durch den Verlust der Mnemosyne oder durch Verdrängung und Trauma, begibt sich unweigerlich auf die Suche nach der verlorenen Identität. Das Bewusstsein ist eine Ansammlung von Begebenheiten und Aktionen aus der Vergangenheit, die die Zukunft direkt beeinflusst und konstruiert. Jede Handlung, jedes Wort formt unsere Zukunft ("Every word we have spoken will never be lost on Earth", Jan Hamilton Finlay 1985). "Memoria Mundi" und "Anima Mundi, les archives de l'archéologue, carnet de fouille", das Gedächtnis der Welt, unserer Welt, soll nicht vergessen werden. Die Architekten-Archäologen notieren für den Betrachter dieses Ziel in Carnets (Heften), auf einzelnen Rosenblättern und Collagen aus Portraits fast vergessener Statuen. Was würde passieren, wenn die Mnemosyne mit den Städten doch unterginge? Memoria und Oblio sind der Spiegel unserer Erinnerung. Die Erinnerung kann trügen, schwinden, vergehen oder zerstört werden. Apokalyptische Inszenierungen und zukunftsgewandte Utopien, visualisieren diese Möglichkeit, die die Geschichte regelmässig an Hochkulturen zeigt. Sie scheinen zeitgebunden an ihrer Perfektion zu scheitern. "De la fragilité du pouvoir" (1989-1992), eine in-situ Installation für das Museum Ludwig in Koblenz, zeigt Fragmente der Erinnerung, die die Künstler mit "Zeichen und Sätze" betiteln. Bild und Schrift kooperieren: "Oculus Memoriae", "Mnemosyne", "Finsternis", "Amnesie". Der Speer des Poseidon als Symbol für die Macht der Zerstörung ist einmal gebrochen und relativiert diese Macht. "Ostia Antica, Ecroulement" (1970) zeigt Teile der zerstörten in sich zusammengefallenen Stadt im Schutt. 

Das griechische Wort Apokalypse bedeutet "Enthüllung", im Christentum "Offenbarung" im Sinne von Gottes Gericht. Visionärer Weltuntergang und Katastrophen sind Metaphern für radikale innerweltliche Veränderungen. "Jupiter et les géants, L'oeil de Mimas" (1982-1983) oder "Jupiter et les géants, Paysage foudroyé" (1982-1983) sind Inszenierungen von unter schwarzem Kohlestaub verschütteten Stadtruinen: das Theater von Ostia, ihre Säulen und Treppen. Die schwarze Asche steht für Katastrophe und Untergang. Die Enthüllung der Katastrophe birgt in sich die Zerbrechlichkeit der Kulturen. Die "Apokalypse der Zukunft" als verschüttete, schwarze Ruinenlandschaft ist eine Metapher des kollektiven Unbewußten, zu Teilen an der Oberfläche sichtbar, zu Teilen verschüttet. Die apokalyptischen Konstruktionen der Zukunft drücken nach C. G. Jung, wie die Stadtruinen auch, den "Vorgang der Introversion des Bewußtseins in tiefen Schichten der unbewußten Psyche aus. Aus diesen Schichten zeigen die Inhalte den unpersönlichen, mythologischen Charakter auf, mit anderen Worten, die Archetypen, und (...) das unpersönliche oder kollektive Unbewußtsein". 

"Dream City" (2002) und andere "Archäologien der Zukunft" sind farbige und weisse Konstruktionen und stehen für Utopia als Ort der Projektion. Wie schon erwähnt, beruht das altgriechische Wort "archaiología" auf "archaíos" (arkhê), alt und "logos" (Wort, Diskurs, Sprache, Wissenschaft). In der Philosophie bedeutet Logos Vernunft. Die "archéologie du futur" wäre somit das Wort, die Sprache und der Diskurs oder die Wissenschaft der Zukunft. Sind Utopien als Nicht-Orte real? Alles das, was man sich vorstellen kann, ist real (Pablo Picasso). Anne und Patrick Poirier konstruieren und realisieren Vorstellungen. Sie machen Vorschläge zu möglichen Visionen und Interpretationen. Die Künstler öffnen geheime Türen und Räume und stellen diese unter ein fiktiv-wissenschaftliches Licht ("Salle des simulacres et du néant"; "Salle de la mémoire de l'avenir infini"; "Théâtre du rêve"). C. G. Jung notiert: "Unser bewusster, wissenschaftlicher Geist hat seinen Ursprung in der Matrix des Unbewussten". Ist das Unbewusste, wie wir wissen, nicht auch an Intuition gekoppelt? 

Intuition spielt in den Arbeiten von Anne und Patrick Poirier eine zentrale Rolle, vielleicht eine noch größere als die der Mnemosyne und geht oft auf Träume von Anne Poirier zurück. Intuition ist die Fähigkeit des Geistes, Dinge direkt wahrzunehmen und zu erkennen. Wahrnehmung und Erkenntnis werden prozesshaft als geistige Eigenschaft durch Denken und Urteilen an die Oberfläche des Bewusstseins gehoben. Das Wort Intuition leitet sich aus dem Lateinischen Wort "intueri" - Sicht, Blick im Sinne von "aufmerksam betrachten" ab. Für Platon besitzt die Seele die Eigenschaft, Wahrheit der Dinge direkt zu erkennen. Die Seele ist vom Körper unabhängig. Dagegen bei Epikur liegt die Fähigkeit der Intuition beim Körper, der die Realität direkt erfassen kann. 

Das Werk von Anne und Patrick Poirier basiert auf Metaphern und ihrer poetischen Visualisierung. Aktuelle Ereignisse sind Inspiration. Intuition, Divination und Träume spiegeln sich in den Konstruktionen der Architekten-Archäologen wider und erfassen das kulturelle Gedächtnis auf physischer, psychischer und philosophischer Ebene. Der Zweite Weltkrieg, die Gewalt der Geschichte, die Zerbrechlichkeit der Welt und Natur sind Leitmotive.  Archäologie und Zerstörung, Ruinen und antike Städte sind Metaphern und Zeugen der Vergänglichkeit. Anne und Patrick Poirier nehmen immer eine distanzierte Haltung gegenüber der Vergangenheit ein, um die Gegenwart und die Zukunft als Utopie der Selbsterkenntnis visuell zu spiegeln. 

© D.M. Feb/March 2021

 

English

Anne and Patrick Poirier: Ruins as Utopia and Self-Discovery

 

The construction of images, in the form of architectural models and archaeological finds, sculptures and photo-text works, lies at the heart of the work of Anne and Patrick Poirier. The focus of their endeavours is the expansion of consciousness through cultural-historical knowledge. Past cultures function as a vector of self-awareness or rather self-discovery, as Günter Metken notes. Through imitation, fragments of memory and models of thought emerge in the form of constructions, installations, objects, photographs, and texts. 

Like the Latin word architectura, the works of Anne and Patrick Poirier refer to a fundamental approach in the exploration of cultures, art, and craft (ancient Greek téchne) as the origin of consciousness. Language and the word, coupled with the temporal reference ‘old’ in the sense of the past, are reflected in the ancient Greek concept of archaio-logía. Time shapes cities and cultures, which in turn are mirrors of human consciousness and actions that determine the future. A bridge is thus built. The works of Anne and Patrick Poirier, presented on a chronological scale, point in both directions: to the past and to the future. Just as the image seen is to be sought in the present and the photographic image in the past: self-awareness and the expansion of consciousness as the basis of an ideal, as the aspiration of our existence and doctrines. Ruins and fragments can be understood as the memory of a ‘parallel archaeology’ – parallel to our ‘state of being conscious’ and our soul as a place of memory. Anne and Patrick Poirier create places for future and past moments of the projection of memory for the individual, as well as of an incarnation for all people. Anima loci, the spirit of the place or – in the words of Anne Poirier – ‘le génie du lieu’ is the basis for the site-specific projects of the artist couple. For both, the spirit of the place is inspiration and divination, a reflection of consciousness (architectura), of memory (architectura and archaiología) that points to the future. The buried memory of the unconscious is to be sought in the metaphor of archaeology, while conscious memory is more easily recognisable in the téchne of the architect.

The human brain as an archaeological and architectural construction reveals chambers of consciousness and mythical labyrinths. ‘Mnemosyne, the archaeologists’ archive’, memory, is the central theme of the ruins and fragments. Alongside the concept of Mnemosyne, intuition and divination are even more important than memory. 

The texts of the Mnemosyne installations are titled, for example: ‘Salle des fragments de la mémoire’, ‘Salle de musique circulaire’, ‘Salle des voix oubliées’, ‘Salle des Enfers perdus’, ‘Salle des voyages de l’âme’, ‘Salle des errances’, ‘Salle des vanités’, ‘Salle des utopies oubliées’.

The ‘salles de la mémoire’ (rooms of memory) refer predominantly to inner mental life and show how humans deal with memory, as well as with longing, powerlessness, dreams, and desires. Physical and mental space are interwoven. The brain as terrestrial and celestial cartography, as urban ruins, a metaphor of existence: in the north Chronos (time), in the south Chaos (indeterminable place), in the west Eros (love and creativity), and in the east Thanatos (death). Time, place, eros, and death determine the four cardinal points and reflect the essence of Anne and Patrick Poirier’s concept. 

As viewers, we walk through imaginary urban ruins, which might be compared to the work of psychoanalysis. In literature, this aspect can be seen in James Joyce’s Ulysses, with the protagonist Stephen Dedalus leading the reader through Dublin as a ‘metaphor for the cartography of the mind’. The inner life of the viewer, the artist, the author moves within spaces of ideas. Their taxonomy assigns the art of Anne and Patrick Poirier to a ‘fictional science’ which, like fiction itself, arguably speaks more truthfully about truth than actual facts ever could. Mental spaces and ruins stand for ideas. Staged constructions of the past are the foundation of our consciousness and trigger future-oriented ideas and desires. Those who have no past – for example, through the loss of Mnemosyne or through repression and trauma – inevitably embark on a search for their lost identity. Consciousness is an accumulation of incidents and actions from the past that directly influences and constructs the future. Every action, every word shapes our future, an idea that Ian Hamilton Finlay put in stone: ‘Every word we have spoken will never be lost on Earth’. ‘Memoria mundi and anima mundi, les archives de l’archéologue, carnet de fouille’, the memory of the world, our world, shall not be forgotten. The architect-archaeologist couple notes this goal for the viewer in carnets (notebooks), on individual rose petals, and in collages of portraits of almost forgotten statues. What would happen if Mnemosyne were indeed to perish with the cities? Memoria and oblio are the mirror of our memory. Memory can be deceptive, fade away, perish, or be destroyed. Apocalyptic stagings and future-oriented utopias visualise this possibility, which history regularly shows in advanced civilisations. They seem time-bound to fail because of their perfection. Dépôt de mémoire et d’oubli (1991), a site-specific installation for the Ludwig Museum in Koblenz, features fragments of memory, which the artists title ‘Signs and Sentences’. Image and text work together: ‘Oculus memoriae’, ‘Mnemosyne’, ‘Darkness’, ‘Amnesia’. The inscription ‘The Gaze of Wrath’ could be read (in German) tersely as ‘The Lightning of Zeus’. Zeus, ruler of the sky, of lightning and thunder, and Poseidon, god of the seas and earthquakes, are representatives of power and destruction. A bolt of lightning becomes shattered and relativises this power. The fragility and delicacy of the world have been at the heart of Anne and Patrick Poirier’s work since 1968. The construction Ostia Antica, Écroulement (1970) features parts of a destroyed city collapsing into the rubble.

The word ‘apocalypse’, which comes from the Greek, means ‘uncovering’ – in Christianity, it refers to a revelation in the sense of God’s judgement. The visionary end of the world and catastrophes are metaphors for radical inner-worldly changes. Jupiter et les géants, L’oeil de Mimas (1982/83) and Jupiter et les géants, Paysage foudroyé (1982/83) are stagings of urban ruins buried under black coal dust: the theatre of Ostia, its columns and stairs. The black ash stands for catastrophe and downfall. The uncovering of catastrophe holds within it the fragility of cultures. The ‘apocalypse of the future’ as a buried, black landscape of ruins is a metaphor for the collective unconscious, partly visible on the surface, partly buried. According to Carl Gustav Jung, apocalyptic constructions of the future, like urban ruins, express the ‘psychological mechanism of introversion of the conscious mind into the deeper layers of the unconscious psyche. From these layers derive the contents of an impersonal, mythological character, in other words, the archetypes, […] the impersonal or collective unconscious’.  

Dream City (2002) and other ‘archaeologies of the future’ are white and coloured constructions that stand for Utopia as a place of projection. As already noted, the ancient Greek word archaiología (archaeology) is based on archaíos (ancient) and logos (word, discourse, language, science). In philosophy, logos means reason. The archéologie du future would thus be the word, language, and discourse or science of the future. Are utopias real as non-sites? According to Pablo Picasso, everything that can be imagined is real. Anne and Patrick Poirier construct and realise imaginations. They make suggestions about possible visions and interpretations. The artist couple opens secret doors and spaces, and places them under a fictional-scientific light (‘Salle des simulacres et du néant’, ‘Salle de la mémoire de l’avenir infini’, ‘Théâtre du rêve’). C. G. Jung noted: ‘Our conscious scientific started in the matrix of the unconscious mind.’ Is the unconscious, as we know, not also linked to intuition?

Intuition plays a key role in the work of Anne and Patrick Poirier, perhaps an even greater role than that of Mnemosyne, and is often traced back to dreams by Anne Poirier. Intuition is the ability of the mind to perceive and recognise things directly. Perception and cognition are raised processually to the surface of consciousness as a mental quality gained through thought and judgement. The word intuition goes back to the Latin intuitio (sight, gaze), which is derived from intueri (attentive observation). It denotes the direct and immediate recognition of a truth that meets the mind with evident clarity. For Plato, the soul possesses the ability to directly recognise the truth of things. The soul is independent of the body. In contrast, for Epicurus, the capacity for intuition is given by the body, which can grasp reality directly. 

The work of Anne and Patrick Poirier is based on metaphors and poetic visualisations. Current events are an inspiration. Intuition, divination, and dreams are reflected in the constructions of the architect-archaeologist couple and capture cultural memory on a physical, psychological, and philosophical level. The Second World War, the violence of history, the fragility of the world, and nature are leitmotifs. Archaeology and destruction, ruins and ancient cities are metaphors and witnesses of transience. Anne and Patrick Poirier always adopt a distanced attitude towards the past in order to visually reflect the present and the future as a utopia of self-exploration.

D.M. Spring 2022

Translation Gérard A. Goodrow

© Brigitte March International Contemporary Art 

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